Andalusien 1936: Wie der Bürgerkrieg ein Dorf in zwei Hälften teilt

Cañadahonda gibt es nicht. Dörfer wie dieses gab es überall im Süden Spaniens: oben das Herrenhaus, unten die Gassen der Tagelöhner, dazwischen ein Stück Land, um das seit Generationen gestritten wird. Warum aus diesem Streit 1936 ein Krieg wurde, der Familien und Nachbarn trennte, lässt sich in wenigen Absätzen erzählen. Das ist der historische Hintergrund zu Das Land zwischen uns.

Wem das Land gehörte

Im Andalusien der 1920er und 1930er Jahre gehörte ein großer Teil des Bodens wenigen Großgrundbesitzern. Die Landarbeiter, die Tagelöhner, besaßen oft nichts außer ihrer Arbeitskraft. Sie wurden für einen Tag angeheuert, wenn es Arbeit gab, und standen am nächsten Morgen wieder auf dem Dorfplatz. Für die Olivenernte im Winter brauchte ein Gut viele Hände, den Rest des Jahres kaum welche. Zwischen den Ernten herrschte Hunger. Wer sich beschwerte, wurde beim nächsten Mal nicht mehr genommen.

Die Republik verspricht Land

1931 wurde Spanien Republik. Eine Agrarreform sollte Land umverteilen. Sie wurde 1932 beschlossen und kam kaum voran: zu wenig Geld, zu viele Einsprüche, zu wenig Wille. Die Enttäuschung entlud sich in Streiks und Aufständen. Im Januar 1933 schlug die Regierung in Casas Viejas, einem Dorf in der Provinz Cádiz, einen Aufstand von Landarbeitern blutig nieder.

Im Februar 1936 gewann die Volksfront die Wahl. Im Frühjahr besetzten Landarbeiter vielerorts Güter und bestellten das Land, das ihnen nach ihrer Überzeugung zustand, vor allem in der Extremadura, aber auch in Andalusien. Die Besitzer nannten das Enteignung. Die Arbeiter nannten es Gerechtigkeit.

Juli 1936: Eine Front mitten durch die Provinz

Am 17. und 18. Juli 1936 putschten Teile der Armee gegen die Republik. In Andalusien setzten sich die Putschisten rasch in Sevilla, Córdoba, Granada und Cádiz durch. Andere Provinzen, darunter Jaén, Málaga und Almería, blieben zunächst in der Hand der Republik. Wo die Front verlief, entschied sich oft innerhalb von Stunden und manchmal von Dorf zu Dorf.

In den ersten Wochen gab es Gewalt auf beiden Seiten. In den eroberten Städten und Dörfern ließen die Putschisten Gegner erschießen. In republikanischen Gebieten wurden Großgrundbesitzer, Priester und vermeintliche Anhänger der Putschisten verfolgt und getötet. Zu den bekanntesten Opfern gehört der Dichter Federico García Lorca, der im August 1936 bei Granada erschossen wurde.

Zwei Familien, keine Seite

In Das Land zwischen uns stehen sich zwei Familien gegenüber, die Serranos und die Alcántaras. Mateo Serrano ist Tagelöhner, liest Machado und kann rechnen. Inés Alcántara ist die Tochter eines Generals. Zwischen ihren Familien steht ein uralter Olivenbaum, an dem vor Jahrzehnten ein Erbe starb und ein Serrano dafür hingerichtet wurde.

Carmen de la Rosa erzählt ohne gute und ohne böse Seite. Jede Figur hat ihre Gründe, auch die, vor denen man sich fürchtet. So lässt sich nachvollziehen, wie aus Nachbarn Feinde werden konnten.

Vier Bände bis 1960

Band 1, Das Pulverfass, erzählt die Jahre 1924 bis 1936 und reicht bis in den Sommer des Putsches. Band 2, Der Mahlstrom (1936 bis 1938), erscheint im Oktober 2026. Band 3, Die Niederlage (1938 bis 1942), und Band 4 (1942 bis 1960) führen die beiden Familien durch das Kriegsende und die Nachkriegszeit. Die Jahre nach 1939 gelten in Spanien als años del hambre, als Jahre des Hungers.

Band 1 ist als Taschenbuch bei Amazon erhältlich.

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